Musik vor 1600 - 2014_sose_zuehlke
13. Juni 2014, 14:00 Uhr
Dr. Hanna Zühlke
(Institut für Musikforschung, Universität Würzburg)

Hirsau in der Steiermark:
Zur liturgischen Musikpraxis des Benediktinerklosters Admont im Mittelalter

Im 11. und 12. Jahrhundert schlossen sich zahlreiche Klöster des deutschen Sprachgebiets der von Hirsau im Schwarzwald ausstrahlenden benediktinischen Reform an. Mit der Orientierung an den Hirsauer Gewohnheiten ging auch eine Übernahme der liturgischen Gesangspraxis des Schwarzwaldklosters einher, deren wesentliche Charakteristika seit den Forschungen Felix Heinzers zum Hirsauer Liber ordinarius, zu den Alleluia- und Responsorienreihen sowie zum Hymnar der Reformbewegung und den Studien Andreas Haugs und Lori Kruckenbergs zum Hirsauer Tropen- und Sequenzenbestand bekannt sind.

Die Rezeption des von Hirsau aus verbreiteten Repertoires an Gesängen bedeutete jedoch nicht unweigerlich auch den Verzicht auf die Ausbildung eines eigenen musikalisch-liturgischen Profils, die Preisgabe bereits bestehender lokalliturgischer Traditionen oder aber die Abkehr von neuen Entwicklungen im Bereich der Mess- und Offiziumsliturgie: Handschriften aus dem Reformkreis lassen neben den typischen Hirsauer »Fingerprints« (Kruckenberg) oft ganz eigene Prinzipien bei der Auswahl von Gesängen erkennen, die nicht selten lokale, regionale und überregionale Traditionen zusammenführen.

Aus dieser Perspektive soll im Vortrag die für das steirische Kloster Admont zu sichernde musikalische Überlieferung in den Blick genommen werden. Neben seiner Zugehörigkeit zum Hirsauer Reformnetz war Admont als Salzburger Eigenkloster fest verankert im Salzburger Diözesanverbund. Als österreichisches Subzentrum der Hirsauer Reform unterhielt es ferner enge Kontakte zu mehreren Klöstern der Kirchenprovinz, aber auch zu weiter entfernten Filiationen, darunter etwa Moggio im Patriarchat Aquileia. Wie wirkt sich diese spezifische Konstellation auf die in Admont etablierte liturgische Musikpraxis aus?