Musik vor 1600 - 2014_sose_chizzali
13. Juni 2014, 15:30 Uhr
Dr. Michael Chizzali
(Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena)

Italienische Spuren in der wettinischen
Hofmusikpflege des 16. Jahrhunderts

Betrachtet man signifikante Phasen der Musikpflege, die an den (insbesondere kurfürstlichen) Höfen des Hauses Wettin im 16. Jahrhundert praktiziert wurde, mit geschärftem Blick, so offenbart sich eine kontextuell vielfältige und quellentechnisch vergleichsweise gut belegbare Kontinuität an musikalischen Transferlinien aus Italien: Beispiele hierfür wären »italienische« Überlieferungskonstellationen in den Jenaer Chorbüchern Friedrichs des Weisen, der Einbezug von italienischen Anteilen kurfürstlicher Musikaliensammlungen in das Druckprogramm Georg Rhaws, die Rezeption leichterer italienischer Musik durch italienischstämmige Dresdner Hofkapellmeister (Antonio Scandello, Giovanni Battista Pinello di Ghirardi) sowie die Dreiecksbeziehung Florenz-Dresden-Prag in den Jahrzehnten um 1600.

Auf der Basis eines über enge institutionelle Kategorisierungen hinausgehenden Begriffes der Hofmusikpflege soll versucht werden, die Tragweite der Beziehungen wettinischer Höfe zur italienischen Musikkultur zu hinterfragen, zu vertiefen und vor einem breiten kulturhistorischen Hintergrund zu kontextualisieren, neue Quellen und wenig berührte höfische Umfelder (z.B. Weimar) zu erschließen sowie schlussendlich vernachlässigten bzw. unbekannten ästhetischen Diskursen im Hinblick auf eine frühe musikalische Italianità nachzugehen.