Aktueller Termin


Das nächste Kolloquium findet am 12. Juni 2026 in Mainz statt. 

Ort:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Hörsaal der Abteilung Musikwissenschaft
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz

Moderation: Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Mainz), Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt (Heidelberg) 
Respondent: Prof. Dr. Iain Fenlon (Cambridge)

Gäste und Interessierte sind herzlich eingeladen, am Kolloquium teilzunehmen! Wer teilnehmen möchte, kann sich hier >>anmelden.

 

Programm fĂŒr Freitag, 12. Juni 2026

14:00 – 14:30 Uhr

BegrĂŒĂŸung und Vorstellung der Teilnehmer und Forschungsgebiete

14:30 – 15:30 Uhr

Musik und TranskulturalitÀt im mittelalterlichen Sizilien zwischen europÀischen und arabischen Traditionen

Dr. Tobias Weißmann
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Die Musikkultur der normannischen und staufischen Könige von Sizilien war von einer für das hochmittelalterliche Europa einzigartigen kulturellen Vielfalt geprägt: Bei Kavalkaden ließen die Monarchen ihre arabische Militärkapelle aufspielen, während sie vom Klerus und den Untertanen mit lateinischen Lobgesängen verherrlicht wurden. Nachdem sich Roger II. und seine normannischen Nachfolger am Hof von griechischen und arabischen Dichtern hatten besingen lassen, traten die staufischen Könige selbst als Minnesänger in Erscheinung, deren in volgare verfassten Gedichte von arabischen und europäischen Saiteninstrumenten begleitet wurden. Bei liturgischen Feiern in Anwesenheit der Herrscher erklangen lateinische Gesänge, die Laudes regiae wurden sowohl auf Latein als auch auf Griechisch gesungen und andere Liturgien gänzlich in griechischer oder arabischer Sprache zelebriert. Die in diesem Vortrag vorgestellte Habilitationsschrift unterzieht die königliche Musikultur im normannisch-staufischen Sizilien erstmals einer umfassenden Untersuchung, die die Militär- und Zeremonialmusik, die Hofmusik, die Musikanschauung sowie die Sakralmusik als Mittel herrscherlicher Selbstdarstellung interpretiert, deren Kernmerkmal die kulturelle Vielfalt des Vielvölkerstaats Sizilien bildete. Das Aufeinandertreffen europäischer und arabischer Traditionen machte Sizilien zu einem Zentrum musikalischer Innovation, von dem bedeutende Impulse für die weitere Entwicklung der europäischen Musikgeschichte ausgingen.

15:30 – 16:30 Uhr

Die himmlische Heimat in Liedflugschriften der FrĂŒhen Neuzeit

Hanna Schmeink M. A.
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Zahlreiche deutschsprachige Liedflugschriften vermittelten in der Frühen Neuzeit religiöse Inhalte in einer für breite Bevölkerungsschichten zugänglichen Form und wurden sowohl im kirchlichen als auch im alltäglichen Kontext rezipiert. Ein großer Teil dieses Repertoires thematisiert Himmel, Tod und den Weg des Menschen zum Heil. Der Vortrag untersucht diese Lieder aus der Perspektive des Heimatbegriffes: Er fragt danach, wie der Himmel in ausgewählten Liedern als letzte und eigentliche Heimat vergegenwärtigt wird und welche Funktionen diese Vorstellung im jeweiligen Liedzusammenhang erfüllt. Dabei zeigt sich ein breites Spektrum an Darstellungsformen, bei dem je nach Kontext Trost, Mahnung oder die Vorbereitung auf den Tod in den Vordergrund rücken. Der Beitrag beleuchtet sowohl die einzelnen Imaginationen des Himmels als auch ihre Bezüge zur irdischen Lebenswirklichkeit. 

16:30 – 17:00

☕ Kaffeepause

17:00 – 18:00 Uhr

Geteilte KreativitÀt: Kollaboratives Komponieren in italienischen Musikanthologien des 16. Jahrhunderts

Roman LĂŒttin M. A.
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Von ca. 1565 bis 1615 erscheinen im italienischsprachigen Raum knapp 80 gedruckte Musikanthologien, die verschiedene Formen der Zusammenarbeit größerer Komponistengruppen dokumentieren. Sie reflektieren die gemeinsame Zugehörigkeit von Komponisten zu einer bestimmten Stadt, Institution oder sozialen Gruppe, enthalten Kompositionen zu einem gemeinsamen Thema und auch zahlreiche Gemeinschaftsvertonungen, für die Komponisten größere Textkorpora vers- oder strophenweise untereinander aufteilten. Die Sammlungen zeigen nicht nur die wachsende Bedeutung von Herausgebern für den Musikdruck in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an, sondern bilden in ihrer Gesamtheit einen eigenen musikpublizistischen Diskurs aus, der von einer wachsenden ideellen Zusammengehörigkeit italienischer Komponisten als orts- und institutionenunabhängiger Gemeinschaft getragen ist.

In einem ersten Schritt werden verschiedene Motive und Verfahren geteilter Kreativität anhand ausgewählter Sammlungen vorgestellt, bevor die größeren musikhistorischen Folgen dieser Kollaborationen fokussiert werden. Das geteilte künstlerische Handeln der Komponisten in bzw. für diese Anthologien scheint nicht allein die Etablierung des Komponisten als „kulturellem Rollenmodell“ (Fuhrmann 2019) zu reflektieren, sondern durch seine verschiedenen Formen sozialer bzw. künstlerischer Vergemeinschaftung und einen dabei entstehenden Gemeinsinn sogar selbst zu diesem Prozess beigetragen zu haben. Mit Blick auf das transformative Potenzial dieses Phänomens plädiert der Beitrag zuletzt für eine Hermeneutik frühneuzeitlichen Komponierens, die nicht allein auf die Individuationsleistungen einzelner Künstler im Sinne einer „produktiven Rivalität“ (Lütteken 2011) blickt, sondern insbesondere die Dialektik zwischen individuellen und kollektiven Leistungen innerhalb solcher Elitendiskurse stärker fokussiert.

18:00 – 19:00 Uhr

Zwei ChorbĂŒcher mit Messvertonungen aus dem Nachlass von Jacobus Chimarrhaeus, Elemosinarius Kaiser Rudolphs II.

Laura Hafner M. A.
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Im Kölner Diözesanarchiv befinden sich zwei großformatige handschriftliche Chorbücher des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts: Sie stammen aus Prag und gelangten als Teil des Besitzes von Jacob Chimarrhaeus, Elemonisarius am kaiserlichen Hof Rudolphs II., nach Köln.

Das Chorbuch Köln I (A.II.555) umfasst Messen von Orlando di Lasso und Philippe de Monte (bis 1603 kaiserlicher Hofkapellmeister) sowie eine anonym überlieferte Komposition; das Chorbuch Köln 2 (A.II.556) enthält vier Messen des italienischen Komponisten Stefano Felis (* Bari 1538, †ebd. nach 1608).

Der Vortrag stellt die Themenfelder des fortgeschrittenen Dissertationsprojektes vor: Beleuchtet werden die Prager Provenienz der Chorbücher über Chimarrhaeus und ihr dortiges Umfeld in Form von Hofkapelle und Fronleichnamsbruderschaft, des Weiteren der Komponist der Messen aus Chorbuch Köln 2 (Stefano Felis) mitsamt seinem Netzwerk am Kaiserhof sowie der neue Kontext, in dem die Quellen schließlich die Jahrhunderte überdauerten – die Kölner Hardenrath-Kapelle. Ausgehend von einer detaillierten Quellenbeschreibung wird auch erstmals der Versuch einer genaueren Datierung sowie die Verortung der beiden Chorbücher im Kontext möglicher erhaltener Vergleichsbeispiele unternommen.